Mechanische Uhren – ein Burschungsvortrag von Louis Fischer

Mit der Verbreitung der sogenannten „Smartwatches“ stellte sich für mich eine Frage, die sich in
meiner Suche eines Verständnisses der sartorialen Kunst einband: Warum überleben und werden
mechanische Uhren überleben?
Um einer Antwort näher zu kommen, widmete ich mich der Technik: wie wird überhaupt Zeit
gemessen und was zeichnet Präzision aus? Das Uhrwerk einer mechanischer Uhr beruht auf der
Hemmung, der Konstruktion, die in gleichlangen Intervallen eine Drehung ermöglicht. Das
Federhaus, das die Energie der Uhr lagert, versucht das Ankerrad, ein modifiziertes Zahnrad, zu
drehen, was von dem sogenannten Anker verhindert wird. Dieser kann hin und her schwingen,
sodass bei jeder Schwingung das Ankerrad sich um einen Achtel weiterdrehen kann. Das Bewegen
des Ankers erfolgt aber nur nach jeder Halbdrehung der Unruh, eines gewichteten Rads, das an
einer Feder gebunden ist. Die Unruh bewegt sich hin und zurück in einem Takt, der durch Gewichte
und Feder reguliert wird. Dieses komplizierte und sehr feine System wurde langsam durch
Quarzwerke ersetzt: Eine konstante elektrische Spannung wird an einem Quarzkristall angelegt;
dieses schwingt regelmäßig 32768 Mal pro Sekunde; diese Schwingungen werden von einem Chip
gezählt und ein Motor wird so periodisch aktiviert.
Diese um 1930 entstandene Uhrwerke sind deutlich akkurater, wenn auch kurzlebiger, als jedes
mechanische Uhrwerk. Selbst Innovationen wie die 1974 Co-Axial-Hemmung konnten die
„Quarzkrise“ nicht verhindern: Quarz war billiger, einfacher und präziser. Daraus folgte eine
Wandlung im Markt, die mechanische Uhren immer mehr zu Luxusgüter machte.
Davon auszugehen, dass Uhren nur die Zeit angeben, wäre falsch. Uhren sind einerseits Werkzeuge,
zur Messung der Zeit, der Geschwindigkeit oder sonstiges. Vor der Quarzkrise übernahmen
mechanische Uhrwerke diese Rolle, sei es über die Chronographen von Breitling oder die Divers
von Rolex. Es ist normal, dass diese Werkzeuge von besseren Vertretern ersetzt worden sind.
Smartwatches übernehmen jetzt was Quarzuhren sehr gut machen konnten: Präzision und
Polyvalenz. Der gefundene Sinn der mechanischen Uhrwerke liegt heute eher auf einer künstlichen
Ebene. Betrachtet man die Uhrwerke einer A. Lange & Soehne oder einer Patek Philippe, versteht
man, dass sich es hier mehr um ein für Männer fast einziges, weltweit akzeptiertes Schmuckstück
handelt, als um ein Objekt, das einen echten Nutzen besitzt. Die Uhr ist in diesem Sinne nur noch
Geschmackssache.
Uhren sind generell Zeichen von Raffinement und Auseinandersetzung mit dem Aussehen. Sie sind
Teil des Bildes, das man von sich gibt und ob mechanisch, Quarz oder Smart, deren Aussagekraft ist
nicht zu unterschätzen.


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